FORTSETZUNGS-ROMAN > TEIL 8
Der 31.12.
Christof hatte natürlich wieder einmal Nachtdienst und ich saß mit meinem kränkelnden Baby allein zu hause. Dieses Jahr würde die Party also zum ersten Mal ohne mich stattfinden. Anja und all meine anderen Freunde waren in Berlin kräftig am Feiern und ich schaute fernsehen. Eine Wehmut überkam mich.
Kein Christof, keine Freunde, nicht einmal ein Anruf von irgendjemandem. Sobald man also nicht mehr präsent war, wurde man uninteressant. So kam es mir jedenfalls vor. Ich hatte noch nie allein Sylvester gefeiert und fühlte mich einsam.
Ich trank spanischen Wein und versuchte zur Feier des Tages krampfhaft eine Zigarette zu drehen, die irgendwie wie ein Elefantenrüssel aussah. Dann stellte ich mich auf den Balkon und wollte gerade damit beginnen, mich selbst zu bemitleiden, als das Telefon klingelte und mir alle meine Freundinnen gleichzeitig ins Ohr brüllten: „Gutes neues Jahr, Mami!“
Als dann die Knallerei losging, schrie Aaron sofort. Ich verbrachte 1 ½ Stunden damit, zwei winzige Ohren zuzuhalten und ein verkniffenes Gesicht zu streicheln.
Mein Wunsch vom letzten Neujahr hatte sich erfüllt (obwohl es doch nur eine Wunderkerze war). Ich hatte einen Sohn.
Unglaublich, dass schon wieder ein Jahr vorbei war. Und was alles in dieser Zeit steckte!
Übelkeit bis Mai, Frühwehen, Umzug, Kaiserschnitt, Baby, Geld gestohlen, wieder zurück gekriegt. Das war nicht wenig.
Christof und ich konnten zufrieden sein. Wir hatten alles was wir brauchten. Und das brachte uns dazu, uns wieder neue Ziele zu stecken. Vielleicht mal wieder umziehen? Wäre das 12. Mal in meinem Leben gewesen. Und wenn wir nun wieder unsere Freunde zum helfen anrufen würden, hätten wir danach bestimmt keine mehr.
Öfter mal was neues. Irgendwann sterben wir mal an einem Herzinfarkt, so stressig wie wir waren.
Wir spürten wieder die Abenteuerlust in uns und es würde nicht lange gehen, bis das nächste vor uns stand.
Tagebucheintrag vom 12.3.
Dein erster Zahn: Du warst quengelig, musstest dich aber nicht allzu sehr quälen.
Deine erste Drehung: Am 2.3. um 20 Uhr vom Rücken auf den Bauch.
Dein erstes Wort: „Güfzenü!“ als ich nicht schnell genug mit deinem Essen war.
30.12.
Der erste Schock: Als du nachts getrunken hast und Christof niesen musste. Später noch einmal, als wir uns im Spiegel betrachtet haben und Christof von hinten dazu kam. Fürchterliches Geschrei.
Der erste Brei: Karottenmuss. Gegessen und für gut befunden. Danach komplett
umgezogen.22.1.
Das erste Nachäffen: Du pustest und schnalzt mit der Zunge. Wenn die Fische gefüttert
werden, schmatzt du mit.
Aaron, der kleine Falke, dreht sich jetzt und quiekt wie wild (auch morgens um 6 Uhr 30 kostenloses Konzert) und hat seine Füße entdeckt. Er sitzt fast und ist voll aktiv.
Und er isst so viel! Heute Abend fast 400 Gramm Brei! Das ist doch nicht normal!
Wo steckt er das hin? Zwei Mägen?
Baden tut er jetzt auch sehr gern. Er planscht mit ernstem Gesicht so sehr, dass wir danach beide vollkommen nass sind. Es macht mir riesig Spaß, ihm dabei zuzusehen!
Bald ist er 6 Monate alt. Kaum zu glauben!
Dieses Tagebuch ist jetzt zu Ende. Ich werde wohl ein neues kaufen müssen, denn mit Aaron gibt`s noch viel zu erleben.
Morgen muss ich endlich zum Frisör!!
ENDE


